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Twitter als Spielwiese und Experimentierbühne

Twitter fragt uns: What are you doing? Und die Nutzer antworten und erzählen uns, was sie gerade machen. Es muss gekürzt werden, der Platz ist knapp. Die Nachricht wird mit Zeichen versehen, die direkt aus der sms-Welt entnommen sind. Dadurch können Botschaften über die jeweilige Stimmungslage übermittelt werden. So entsteht beim Leser durch Text und Zeichen ein Gesamteindruck. Ihm wird ein Bild vermittelt. Dadurch wird wenigstens teilweise kompensiert, dass Stimme wie beim Telefon nicht eingesetzt werden kann.  Mimik und Körpersprache eines Gegenüber sind nicht sichtbar. Nachfragen kommen nicht spontan, sondern müssen auch erst einmal getwittert werden. Somit sind die Nutzer gezwungen, sich kurz zu fassen und einigermaßen klar auszudrücken.

Es ist nichts Neues, sich darauf zu besinnen, dass die 140 Zeichen auch anders genutzt werden können. Wer zwingt uns eigentlich, stets in der Welt der Tatsachen um uns herum zu verharren? Man kann kleine Geschichten schreiben, Gedichte verfassen und sogar Nonsens schreiben, um auszuprobieren, wie weit man gehen kann, was eigentlich geschluckt wird. Schreibt man nur noch Blödsinn, werden einen die "Folger" ("Follower") verlassen, das ist ganz klar die rote Karte. Ist alles zu abgehoben, passiert dasselbe. Es gilt also, eine gute Mischung zwischen Theorie und Praxis, zwischen Ideen, Poesie und Alltagserleben anzustreben. Dieses: "Ich schreibe dir, was ich gerade so tue!", hat gewiss Charme. Die erfolgreichen Twitterer mit vielen "Folgern" praktizieren das bereits recht gut, man nimmt an ihrem Leben mit Interesse und Empathie teil. Aber das reicht nicht aus, sie müssen uns noch mehr bieten, nützliche Informationen, Links - und - wie gesagt, auch etwas ganz Eigenes, was über banale Berichterstattung hinausgeht.

Man kann sich aber auch gedankenlos an Bewegungen hängen, die weltweit im Netz kursieren, um dann wieder sang- und klanglos zu verschwinden. Twitterer haben Macht und könnten sie politisch nutzen. Sie werden sich vielleicht entscheiden müssen, ob sie ein regelloses anarchisches Netz wollen, oder, auch um sich vor Kommerz und Instrumentalisierung zu schützen, Regeln aufstellen wollen. Das ist vor dem Hintergrund zu bedenken, dass unbedarfte Neulinge in Löcher fallen könnten, die böse Buben bereits in die Spielwiese Internet-Twitter gegraben haben. Aber das ist ein anderes Thema.

Da Twitter einerseits spielerisch ist und andererseits auch immer noch "neu", gibt es für ältere Nutzer als Teilnehmer Erklärungsprobleme. Sie kommen immer wieder in die Lage, ihrem auch schon in die Jahre gekommenen Freundeskreis zu erläutern, wozu das Ganze gut sein soll und ob nicht die Gefahren, von denen man gelesen hat, überwiegen. Ältere verlassen sich vermutlich stärker als Jüngere auf Erfahrungen, die sie und andere bereits gemacht haben. Diese Erfahrungen sind zur Zeit noch widersprüchlich. Es gibt in der Welt des Twitter noch nichts Eindeutiges als Ergebnis zu vermelden. Da halten sich Ältere zurück und warten auf eine Klarheit und Sicherheit, die sich zu ihren Lebzeiten vielleicht noch nicht verwirklichen lässt. Schon aus diesem Grunde ist ihnen zu raten, sich zu beeilen, wenn sie "dazugehören" wollen.

Comments (1)

Jun 11, 2009
Horst said...
Interessanter Beitrag zur Nutzung von Twitter. Habe ihn in Hosi's Blog Kaneval übernommen: http://hosikarneval.posterous.com/022009-twitter

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