„Von seinem dritten bis zum fünften Jahr wurde Gargantua nach dem Willen seines Vaters, ganz wie es sich gehörte, genährt und gepflegt und verbrachte diese Zeit wie alle Kinder des Landes, das heißt, er trank, aß und schlief; aß, schlief und trank und schlief, trank und aß. Dabei wälzte er sich immer im Kot herum, beschmierte sich die Nase, besudelte sich das Gesicht, trat seine Schuhe schief...bepißte seine Stiefelchen, beschiß sein Hemd, schnaubte sich in seine Manschetten, rotzte in die Suppe, kroch überall umher...spielte den Niedlichen, kotzte wie ein Reiher, klapperte mit den Zähnen...“
und so geht es seitenlang weiter bei François Rabelais geboren 1494, gestorben 1553 in Paris (Auszug aus dem 11. Kapitel seines Buches: Gargantua und Pantagruel, insel taschenbuch 1994, S. 65 ff.: Von Gargantuas Jugend.)
Gargantua ist eine Romanfigur, ein Riesenbaby mit Riesenkräften. Bei aller Übertreibung: Ein Körnchen Wahrheit steckt in diesem Chaos. Wenn Kleinkinder zwischen drei und fünf Jahren Ermahnungen der Erwachsenen nicht verstehen und folglich nicht vernünftig handeln, so ist dies zu allen Zeiten normal. Das zeigt ein Vergleich mit einem Jungen von heute, den ich
Paul nennen möchte, und dem ich hier allerlei Unarten zugeschrieben habe. Und hier folgt eine unvollständige Aufzählung der Heldentaten dieses Knaben.
Paul gibt es nicht, wohl aber verschiedene Kleinkinder, bei denen ich das Folgende beobachtet habe:
Bohrt verstohlen in der Nase und isst Popel dann aufWirft dauernd Schälchen um und verteilt Milch mit Haferflocken an den Wänden und auf dem BodenWirft Gegenstände die Kellertreppe hinabRennt in den Garten und schreit alle Schimpfworte heraus, die es im Kindergarten gelernt hatIst beleidigt und schmollt, wenn es gescholten wirdFühlt sich angesprochen und ausgelacht, auch wenn es nicht gemeint istStellt anderen Kindern ein Bein und übt den drohenden BlickTut so, als wolle es die Hand eines anderen Kindes streicheln und drückt dann fest zuIst zu faul, nur ein paar Schritte zu gehenSchläft beim Essen ein und droht, vom Stuhl zu rutschenWill unbedingt telefonieren und schweigt dann, wenn es angesprochen wirdBleibt lange im Bad, besonders dann, wenn es sich beim Wasserlassen nass gepinkelt hatBraucht zehn Handtücher zum AbtrocknenWill sich nicht anziehen lassen, keine Medizin schluckenVersucht, zu bestechenUmarmt liebevoll seinen Papa und streckt gleichzeitig einem anderen Kind die Zunge heraus