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Herrn Finks Auto

 

Herr Fink holt sein Auto ab

 

Am Tresen des Autohauses steht Herr Fink, ein Hörgerät im Ohr, weiter Kleppermantel, angespannte Haltung. Ihm gegenüber die junge Fachkraft in der Reparaturabwicklung, blütenweißes Jäckchen aus Glanzstoff über einem Shirt, das ein paar Zentimeter Rücken freilässt, wenn sie sich bückt, um an tieferliegende Ablagefächer oder an den Tresor mit Kostbarkeiten wie Autoschlüssel und Reparaturberichten zu gelangen. Jeans, Gürtel mit Silberschnalle. Ihre Kollegen sind älter, wirken gediegen und solide  und sind in halblaute und länger dauernde Fachgespräche über Autos mit anderen Kunden vertieft. Alle Mitarbeiter des Kundendienstes bilden ein gut eingespieltes Team, für jeden Geschmack ist der geeignete Ansprechpartner vorhanden.

„Bitte die Abholpapiere“, sagt die junge Fachkraft. Herrn Finks mürrische Antwort: „Die habe ich nicht.“ In höflichem gelassenem Ton sie darauf: „Wir können die Autos nur gegen Abholschein abgeben. Ein Ausweis genügt auch. Sehen Sie doch bitte in Ihren Papieren nach.“ Gehorsam fingert Herr Fink langsam sein Portemonnaie aus der Brusttasche. „Da sind ja die Papiere, Herr Fink. Geben Sie mir bitte den Abholschein zum Fotokopieren, dann bekommen Sie ihn wieder.“

Er besieht und prüft seine Unterlagen, es dauert quälend lange, er erkennt, was sie schon lange weiß: Der Abholschein mit diversen Kopien ist vorhanden. Schließlich Herr Fink mit misstrauischem Unterton: „ Das Original kann ich aber nicht aus der Hand geben.“ Wieder sein stummes hartnäckiges Überlegen, so als wolle er sich gegen einen Trick, eine Täuschung wappnen. Sie wartet indessen, ohne ein Zeichen der Ungeduld zu zeigen, mit freundlichem Lächeln, bis Herr Fink endlich einen Zettel herausrückt. Sie geht damit zum Tresor, holt Kraftfahrzeugpapiere, Schlüssel usw. heraus und überreicht dem Kunden diese Utensilien, weist ihn noch auf den Parkplatz hin, auf welchem sein Fahrzeug bereitsteht. „Bitte, Herr Fink, noch eine Unterschrift, hier, an dieser Stelle.“ Herr Fink unterschreibt langsam, dann entfernt er sich, gestützt auf seinen Stock. Man erkennt, dass er alt und hinfällig ist, aber Auto fährt er noch. Das Ganze wirkt auf die übrigen wartenden Kunden wie ein eingeübtes Ritual, so als spielte sich eine Szene wie diese öfter zwischen den beiden ab.

Am nächsten Tag sind wir dran, Erich und ich. Wieder die schicke Blondine, diesmal mit Silberkettchen,  azurblauem Shirt mit Ausschnitt, jedoch hüftlang, darüber zur Abwechslung ein kurzes hautenges anthrazitfarbiges Westchen. Alles geht gut. Nur am Ende: „Herr Fricke, Ihr Schlüssel. Lassen Sie ihn nicht liegen.“ Freundliches Lächeln der jungen Blonden und wir sind draußen.

 

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