Zwitschern Frauen anders?
Natürlich gibt es viele Frauen, die genauso twittern wie die meisten Männer. Sie tun das, was Twitter vorgibt, offenbaren, was sie gerade so treiben („What are you doing?), informieren über interessante Webseiten, schreiben Twitterlyrik, folgen Trends und Ansichten rund um den Globus, verabreden sich und – sammeln „Freunde“, genannt „Followers“. Aber es gibt Besonderheiten, die twitternde Frauen von ihren männlichen Kollegen unterscheiden und einige möchte ich hier auflisten.
1. Wir sind nicht so viele
Es scheint so, als twitterten weniger Frauen als Männer. Wenn das zutrifft, so liegt es gewiss nicht an mangelnder medialer Kompetenz. Frauen wollen einfach nicht so gerne twittern, obwohl sie es könnten. Denn sie schreiben E-Mails mit Anhängen, fotografieren, schreiben sms und sind als E-Bayer erfolgreich.
2. Was hält Frauen ab, zu twittern?
Frauen wollen einen unmittelbaren Nutzen oder Spaßgewinn bei dem, was sie tun. Ebensowenig wie in Spielhallen findet man sie in der Twitterwelt. Sie ist ihnen noch suspekt, denn viele Aspekte gefallen den Frauen nicht.
Vom sozialen Mehrwert ist häufiger die Rede. Was bringt es, zu twittern und wer profitiert davon? Eigentlich wissen auch Männer es nicht so genau, aber das hält sie nicht ab, sich in dieser Twitterwelt herumzutreiben. Frauen dagegen bevorzugen soziale Kontakte mit Personen, die sie kennen. Sie wollen die Befindlichkeiten dieser Personen unmittelbar erspüren. Das geht im Gespräch face to face. Es funktioniert besonders gut beim Telefonieren. Die Twitterwelt ist dagegen fremd, fast unheimlich, und böse Gesellen lauern da draußen.
3. Und wie läuft es bei den Berufstätigen?
Nun sollte man annehmen, dass gestandene berufstätige Frauen mittleren Alters diese Befürchtungen eher als gering einstufen und trotzdem twittern. Das tun sie aber nicht. Vermutlich sind diese Frauen so beschäftigt und von ihrer üblichen Doppelbelastung ausgelaugt, dass sie keine Zeit zum zusätzlichen Twittern finden. Bleiben die Freiberuflerinnen, Autorinnen, Journalistinnen usw. Da werden wir tatsächlich fündig. Sie twittern eifrig und dann wiederum so heftig, dass die Durchschnittstwitterin von diesen Powerfrauen wieder abgeschreckt wird. Und: In der Menge gehen sie unter. Vielleicht bleiben sie auch unter sich. Und da wären wir beim nächsten Problem.
4. Keine sicheren Kuschelecken im Internet, speziell bei Twitter
Erfolgreiche berufstätige Frauen arbeiten oft in Konkurrenz mit anderen erfolgreichen berufstätigen Frauen. Da gibt es Zickenalarm auf der einen Seite und Erfolg versprechende weibliche Kuschelecken auf der anderen Seite. Diese eingebildete oder auch tatsächliche Nestwärme gibt es im Netz nicht, jedenfalls nicht für Twitter-Anfängerinnen. Bei Power-Twitterinnen mag das anders sein. Für die übrigen gilt die Befürchtung: Da kann ja jeder hereinplatzen, oh Schreck!
5. Klassefrauen bei Twitter
Doch, es gibt sie, die ganz normalen Trendsetterinnen, die Frauen ohne esoterischen Hintergrund, ohne Sendungsbewusstsein, mit viel Neugierde und mit ihrer ureigenen Botschaft. Sie erfinden etwas, zum Beispiel, dass schlichte Umfragen wie „Welche Tasche sollte ich kaufen, die rote oder die weiße?“ die faulen Leute aus der Reserve locken und zu Antworten verführen. Sie schreiben anspruchsvolle bebilderte Texte auf ihren Blogseiten, mit denen sie sich potentiellen Arbeitgebern empfehlen. Auf diese Blogseiten wird selbstverständlich über Twitter aufmerksam gemacht. Diese Frauen sind selbstbewusst, tapfer, gelassen und stellen andere nicht bloß. Ob sie nun allgemeine oder „Frauenthemen“ behandeln, sie tun es mit Hingabe und Ernsthaftigkeit. Leider habe ich bei diesem Typus selten ältere Frauen gefunden. Aber hier gilt dasselbe wie für Männer: Jenseits der 60 tun sich die Leute schwer, überhaupt zu twittern.
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