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Andrea Camilleri

 

Sizilien - die geheimnisvolle Welt des Andrea Camilleri

Andrea Camilleri, 1925 in dem sizilianischen Küstenstädtchen Empedocle geboren, hat eine Reihe von Kriminalromanen um den Commissario Salvo Montalbano geschrieben. Vor allem in den Dialogen – und einige der Bücher bestehen fast nur aus Dialogen – benutzt er Sizilianisch bzw. eine italienisch-sizilianische Sprachmischung, die schon für italienische Leser nicht leicht zu bewältigen und noch schwerer zu übersetzen ist. Vermutlich wegen der Sprache wirken etliche Passagen seiner Romane im Deutschen wahrscheinlich viel gröber als auf Italienisch (das ich übrigens leider nicht beherrsche). Die folgenden Ausschnitte geben vielleicht einen Eindruck von Camilleris Humor und seiner Originalität.

Der falsche Liebreiz der Vergeltung – Commissario Montalbano findet seine Bestimmung – editionLübbe, Regensburg 2004. Dieser und die folgenden Romane wurden übersetzt von Christiane von Bechtolsheim.

Montalbano betritt mit seiner neuen Bekannten Mery „rein zufällig“ „seine“ Trattoria San Calogero in Vigàta:

Als sie eintraten, versuchte er den Blick des Kellners aufzufangen, was ihm auch gelang.
Sie brauchten sich nur einen Moment anzuschauen.
Du hast mich nie gesehen, sagten Montalbanos Augen.
Ich habe dich nie gesehen, antworteten die Augen des Kellners.  (S. 30)

Die Stimme der Violine – Commissario Montalbanos vierter Fall (2001)

Montalbanos Mitarbeiter Catarella besucht einen Computerkurs:

„Wie viele seid ihr denn in eurem Kurs?“
Catarella zählte an den Fingern ab:
„Amato, Amaroso, Basile, Bennato, Bonura, Catarella, Cimino, Farinella, Filippone, Lo Dato, Scimeca und Zìcari. Das macht zwölf, Dottore. Wenn ich den Computer bei der Hand gehabt hätte, wäre das Zählen leichter gewesen.“
Der Commissario stützte seinen Kopf in die Hände.
Gab es für die Menschheit noch eine Zukunft?  (S. 246)

Der Hund aus Terracotta – Commissario Montalbano löst seinen zweiten Fall  (4. Aufl. 2001)

„Verzeihen Sie, ich nehme an, Sie kennen den Tenor des Gesprächs nicht?“
„Ich kenne nicht nur den Tenor, sondern auch den Bariton, den Baß und den Sopran!“
Er lachte. Wie witzig Ferdinando Biraghìn war!  (S. 125)

Der Dieb der süßen Dinge – Commissario Montalbanos dritter Fall (5. Aufl. 2002)

Pintacuda kaute langsam, schloß die Augen halb und stieß einen ächzenden Laut aus.
„Wer im Sterben liegt und das hier isst, fährt auch gerne zur Hölle“, sagte er leise. (S. 294)

Der Commissario entdeckt Kreuzkümmel und Koriander in einer polpetta (Frikadelle), Gewürze, die dort nichts zu suchen haben, und befragt den Koch Tamino im Rahmen seiner Ermittlungen in einem Mordfall:

„Sagen Sie, stimmt es, dass Sie nie aus Sizilien herausgekommen sind?“, fragte Montalbano.
„Niemals, ich schwör`s Commissario! Ich habe Zeugen dafür!“
Er konnte dieses Gericht also nicht in irgendeinem Restaurant mit fremdländischer Küche gelernt haben.
„Hatten Sie jemals mit Leuten aus Indien zu tun?“
„Mit Indianern meinen Sie? Mit denen aus dem Kino?“
„Ist schon gut“, sagte Montalbano... (S. 296)

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