Der deutsche Verein - ein Minenfeld

Eingetreten, ausgetreten, reingetreten, rausgetreten.... 
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Wikimedia Commons US Navy photo (2004) L. Ball: Kadetten in der Ausbildung beim Minen-Aufspüren und Entschärfen

Vereine sind eine zählebige und vermutlich ziemlich "deutsche" Erfindung, geregelt seit jeher im Bürgerlichen Gesetzbuch. Das Besondere des deutschen Vereins ist sein Regelwerk mit Satzung, Vorstand und Eintragung ins Vereinsregister. Die Begriffe sind im Laufe der Zeit immer pompöser geworden: "Präsidium" statt Vorstand, "Präsident" und "Vizepräsident" statt Vorsitzender und Stellvertreter des Vorsitzenden, "Präambel" wie im Grundgesetz statt Satzungsvorwort, bis hin zum "Verwaltungsrat". Jährlich einmal findet die Mitgliederversammlung mit Tagesordnungspunkten, Wahlen und Prüfberichten statt. Erstaunlich, wie willfährig sich das Fußvolk diesem stetig wiederkehrenden Ritual unterordnet und dass es in jedem Verein Spezialisten für das nicht unkomplizierte Prozedere gibt.

Wieso ein Minenfeld?

Da muss ein wenig ausgeholt und das Terrain der Gruppenpsychologie betreten werden. Hier zeigt sich dann auch, dass das eigentlich Interessante des deutschen Vereins nicht so sehr die "Vereinsmeierei" ist. Vielmehr laufen hier Prozesse ab, die vermutlich in allen Gruppierungen, in denen bunt Zusammengewürfelte im übertragenen Sinne dicht aufeinander hocken, gleich sind. Und es gibt es "Standardsituationen", die in Familien, Nachbarschaften und Betrieben vermutlich weltweit dieselben sind. Voraussetzung ist immer, dass sich alle Mitglieder untereinander eben nicht so hundertprozentig gut verstehen, wie man annehmen könnte. "Harmonievereine" sind selten - und langweilig! Und hier beginnt die Herausforderung und es wird auch gefährlich. Sobald jemand in einen etablierten Verein eintritt, sollte er den Minendetektor einschalten.

Der Vereinseintritt

Kommt ein Neuer in den Verein (oder - durch Heirat oder anders - in eine Familie, in einen Betrieb, in eine Nachbarschaft oder Wohngemeinschaft) tut er oder sie gut daran, sich zuvor gründlich nicht nur über Formalien, sondern auch über Personen zu informieren. Insbesondere sollte er sich über Hackordnungen, Machtverhältnisse und Rivalitäten kundig machen. Denn sonst könnte es sein, dass er sich frühzeitig "festlegt" und die erste freundlich ausgestreckte Hand ergreift. Damit werden aber vielleicht bestehende Parteien gestärkt oder geschwächt. Ehe er sich versieht und möglicherweise gegen seine wahren Absichten ist der Neue frühzeitig als Parteigänger abgestempelt.

Streit im Verein

In jedem Verein, jeder Familie, jedem Betrieb, in Nachbarschaften und Wohngemeinschaften und anderen Gruppierungen sind Interessenkonflikte normal, Streit gehört zum Geschäft. Pop-Gruppen, Band-Mitglieder, Künstler-Gemeinschaften, Tierschutzvereinigungen - alle sind nicht davor gefeit. Was die Streit-Bewältigung angeht, gibt es unterschiedliche "Kulturen" und Herangehensweisen. Wird der "Streit" innerhalb einer Gruppierung als erfrischend und normal empfunden, kann er in einer anderen als "Majestätsbeleidigung", "Tabubruch" oder ähnlich Schlimmes gelten. Wird "Streit" ausdrücklich als unerwünscht angesehen, führt dieser bei einigen Mitgliedern zu Frustration und "innerer Kündigung." Gelegentlich passiert es, dass Gruppenmitglieder den Streit untereinander tabuisieren, aber nicht davor zurückschrecken, sich nach außen hin "feindlich" abzugrenzen. Dadurch, dass viel Nähe besteht und in der Regel die Gruppenmitglieder sich über Jahre hinweg gut kennen und untereinander befreundet sind, können durch offen ausgetragenen Streit Verletzungen entstehen, die schwer wieder heilen, wenn das überhaupt noch möglich ist. Am schlimmsten ist der Vertrauensverlust zu ertragen, wenn innerhalb der Gemeinschaft Gerüchte gestreut werden, gegen die sich Betroffene nur schwer zur Wehr setzen können. In Einzelfällen kann sogar von Mobbing gesprochen werden. Was nicht passt, wird passend gemacht, diejenigen, die sich nicht unterordnen, müssen sich als Störer fühlen und beginnen, über einen Vereinsaustritt nachzudenken. Sie sind auf eine Mine getreten, man hat sie - fast - "rausgetreten." "Mediation" (Vermittlung) durch geschulte Außenstehende wäre hilfreich, wird aber in der Regel nicht gemacht.